Ratgeber · Technik
Sonnenschutz und
Smart Home.
„Funktioniert das mit unserem Smart Home?" — eine der häufigsten Fragen im Aufmaß. Die kurze Antwort: ja, fast immer. Die längere: es hängt davon ab, welches System Sie zuhause haben und wie tief Sie die Integration haben wollen.
Somfy IO: der pragmatische Standard
Ich liefere die meisten Anlagen mit Somfy IO-Antrieben aus — io-homecontrol ist der Funkstandard, den die meisten Hersteller im Sonnenschutzbereich unterstützen. Steuerung läuft über die TaHoma App (kostenlose Box mitbestellbar), Sprachsteuerung über Alexa und Google Home, und es gibt eine native Brücke zu Apple Home.
Vorteil: niedrige Einstiegshürde. Sie installieren die App, koppeln die Antriebe, fertig. Zeitpläne, Sensorszenarien, Geofencing — alles direkt in der App.
Nachteil: ein proprietäres Ökosystem. Wenn Sie irgendwann zu einem anderen System wechseln möchten, ist Somfy nur indirekt einbindbar.
Becker: die deutsche Alternative
Becker arbeitet mit eigenem Funkstandard (Centronic), bietet aber sehr ähnliche Funktionalität — CentralControl App, Sensorintegration, Zeitschaltungen. In Österreich sind Somfy und Becker etwa gleich häufig vertreten, beide haben ähnliche Vorteile und ähnliche Einschränkungen.
KNX: die professionelle Lösung
Wenn Ihr Haus mit KNX gebaut wurde — wie es bei vielen modernen Architektenhäusern in Graz der Fall ist — kommen die Antriebe direkt am KNX-Bus an. Das gibt Ihnen die mit Abstand tiefste Integration: Markisen reagieren auf das gleiche Beschattungs-Szenario wie die Beleuchtung, Sensoren laufen zentral, alles wird über den KNX-Konfigurator gepflegt.
Voraussetzung ist, dass Sie einen KNX-Schaltschrank und einen Elektriker haben, der das System kennt. Bei Neubauten ohnehin der Standard, bei Sanierungen oft nachträglich realisierbar, wenn die Verkabelung mitgeplant wurde.
Loxone: die österreichische Komplettlösung
Loxone ist in Österreich besonders verbreitet — das System aus Kollerschlag deckt Beleuchtung, Beschattung, Heizung und Sicherheit aus einer Hand ab. Sonnenschutz-Antriebe lassen sich entweder direkt verkabelt oder über Air-Funkmodule einbinden. Die Konfiguration läuft über den Loxone Config — sauber, aber komplexer als die Somfy App.
Wenn Sie ohnehin Loxone planen, kommt der Sonnenschutz logisch dort mit hinein. Wenn nicht, ist Loxone wegen der nötigen Programmierung kein „Ich kauf mir das Wochenende"-System.
Apple Home / Matter: der einfache Weg
Apple Home ist mittlerweile so weit, dass Sonnenschutz über io-homecontrol und Matter eingebunden werden kann. Wer schon ein paar HomeKit-Geräte hat — Beleuchtung, Thermostat, Türschloss — kann den Sonnenschutz dazu stellen und Szenarien über die Home App bauen.
Das ist ohne Programmieraufwand möglich. Funktionsumfang ist allerdings geringer als KNX oder Loxone — präzise Sensorszenarien oder Logik mit mehreren Bedingungen erfordern dann doch eine richtige Smart-Home-Zentrale.
Was ich empfehle — abhängig vom Gebäude
- Bestandshaus ohne Smart Home: Somfy IO oder Becker, App-gesteuert
- Neubau mit KNX-Verkabelung: KNX-Direktanbindung
- Vorhandenes Loxone: native Loxone-Integration
- HomeKit-Haushalt mit einzelnen Smart-Home-Inseln: Somfy IO mit Apple-Home-Anbindung
- Reine Funktion ohne App-Ambitionen: Becker mit Wandschalter
Was beim Aufmaß zu klären ist
Wenn Sie schon ein Smart-Home-System haben, bringen Sie bitte die Marke und den Steuerungstyp ans Aufmaß. Ich prüfe die Kompatibilität direkt vor Ort. Bei Neubauten bespreche ich die Sensor- und Steuerungslogik gemeinsam mit Ihrem Elektriker oder Architekten.
Konkretes Projekt im Kopf? Eine kurze Nachricht mit „Smart Home: X" als Stichwort genügt — ich melde mich innerhalb 24 Stunden.